Ganztagsschule: Kultusminister Krapp auf Irrwegen?

Nach der ruckartigen Ankündigung seitens der Union, den Ganztagsschulvertrag des Bundes jetzt ablehnen zu wollen, erinnert Christoph Matschie, Landesvorsitzender der SPD Thüringen, den Thüringer Kultusminister an dessen eigenen Worte. Noch vor wenigen Wochen hatte Krapp großes Interesse an einer Zusammenarbeit Thüringens mit der Bundesregierung zum Ausbau des Ganztagsschulangebotes angemeldet.

„Welchen Weg will Thüringens Kultusminister Michael Krapp eigentlich gehen? Bayerns Kultusminister schwört zur Zeit CDU und CSU auf einen Marsch in die bildungspolitische Kleinstaaterei ein: Nach einer Absage der Union an eine nationale Bildungsplanung will sie nun auch das Hilfsangebot der Bundesregierung zum Ausbau von Ganztagsangeboten ablehnen. Angeblich ständen auch alle unionsgeführten Bundesländer hinter diesem Rückfall in einen bildungspolitischen Provinzialismus ? bisher hüllt sich Krapp selbst jedoch noch in Schweigen.

Ich kann Thüringens Kultusminister nur an seine eigenen Worte erinnern, mit denen er vor wenigen Wochen ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bekundet hat und sogar auf eine möglichst baldige Umsetzung gedrungen hat.

Sollte Krapp jetzt hinter seine eigenen Ankündigungen zurückfallen, könnte ich daraus nur schließen, dass ihm Parteipolitik wichtiger ist als das Wohl des Landes. Mit kleinlichem Kompetenzgerangel würde die Thüringer Landesregierung mit dazu beitragen, einen wichtigen Aufbruch nach PISA zu gefährden.
Das Ganztagsschulprogramm der Bundesregierung steht. Noch in diesem Jahr könnten mindestens 8,5 Millionen Euro nach Thüringen fließen. Insgesamt wären es bis 2007 114,4 Millionen Euro, die dem Freistaat zur Verfügung ständen. Die Auswahl der Vorhaben und die Regelung der Durchführung würde in Thüringen erfolgen. Die Vorgaben des Bundes sind minimal: Voraussetzung ist nur, dass ein pädagogisches Konzept für das Ganztagsangebot vorliegt.

Aus meinen Besuchen vor Ort ? erst jüngst in Jena ? weiß ich, dass das Interesse der Schulen groß ist. Dieses kreative Interesse zum Vorteil unserer Kinder sollte die Thüringer CDU-Regierung jetzt nicht aus parteitaktischen Gründen aufs Spiel setzen.“

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