Mindestlohn stoppt Ausweitung von Minijobs

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht in den heute von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) in Bochum vorgelegten Zahlen zur Entwicklung der Minijobs eine „Tendenz zur Normalisierung“.

„Die Einführung des Min­destlohns sorgt da­für, dass solche atypischen Beschäftigungsverhält­nisse wieder auf ih­ren ursprünglichen Charakter einer Nebentätigkeit zurückgeführt werden“, sagte Tiefensee heute in Erfurt. Diese Entwicklung sei notwendig und wünschenswert. Von einem „massiven Einbruch“ im Minijob-Seg­ment könne keine Rede sein. „Ich begrüße aber, dass die in den letzten Jahren zu beobachtende mas­senhafte Auswei­tung der Minijobs zu Lasten regulärer Beschäftigung damit end­lich ge­stoppt ist.“

Die KBS ist Trägerin der sog. „Minijobzentrale“ in Bochum. Laut dem heute von ihr vorgelegten Quartalsbericht gab es im März 2015 bundesweit gut 6,6 Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigungs­verhältnisse im Bereich der Wirtschaft – das entspricht einem Rückgang um 2,8 Prozent gegenüber März 2014. Im Bereich der privaten Haushalte sind deutschlandweit knapp 284.000 Menschen geringfügig beschäftigt – ein Zuwachs um 6,1 Prozent. Zugleich sind nach Medienangaben offenkundig rund 50.000 sozialversicherungspflichtige Jobs neu entstanden. In Thüringen liegt die Zahl der Minijobber im gewerblichen Bereich bei 102.000 (–6,6 Prozent gegenüber März 2014) und in Privathaushalten konstant bei 2.700.

„Minijobs haben in gewissen Bereichen sicherlich ihre Berechtigung, sie tau­gen aber nicht als allgemeines Beschäftigungsmodell“, sagte der Wirtschafts­minister. Insofern sei es richtig, dass mit dem Mindestlohn auch hier eine Grenze ein­gezogen worden sei, die diesen Bereich wieder auf ein normales Maß zurückführe. „Daran kann ich nichts Schlimmes finden.“ Mit der enor­men Zahl von fast sieben Millionen Arbeits­verhältnissen sei durch die Mini­jobs ein enormer Teil des Arbeitsmarkts den üblichen Standards ent­zogen worden, so Tiefensee weiter.

Zugleich sei das Armutsrisiko von geringfügig Beschäftigten in den letzten Jahren deutlich gestiegen – viele seien auf Aufstockerleistungen aus der Grundsicherung angewiesen. „Die erhoffte Brückenfunktion in reguläre Jobs haben die Minijobs ohnehin nie erfüllt“, sagte der Wirtschaftsminister. Gera­de in Ostdeutschland seien Minijobs oft aus Mangel an Alternativen ange­nommen worden. „Das traf dann überdurchschnittlich oft gerade Frauen, die damit auf die Rolle von Zuverdienerinnen festgelegt wurden“, so der Mi­nister. Er verwies auf Vorschläge des Deutschen Juristentags und des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die be­reits 2009 bzw. 2010 eine Abschaffung der Sonderregelungen für Mini­jobs gefordert hatten.

 

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