Deutschland braucht eine Offensive für frühkindliche Bildung

Zum Internationalen Weltkindertag am 20. September 2006 geben die Vorsitzenden des Forums Bildung in der SPD, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen, Ulla Burchardt, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, und das SPD-Präsidiumsmitglied Christoph Matschie folgende Erklärung ab:

Kinder sind unsere Zukunft. Umso wichtiger ist es, dass sie in einer Gesellschaft aufwachsen, in der sie ihre vollen Potenziale entfalten können. Ein modernes Bildungssystem, das niemanden zurücklässt und von Anfang an alle Begabungen fördert, ist dafür eine wichtige Voraussetzung.

In keinem anderen europäischen Land hängt der Bildungserfolg eines Kindes so stark von der sozialen Herkunft seiner Eltern ab wie in Deutschland. Um diesen Zusammenhang aufzubrechen, muss Bildung früher ansetzen. Denn der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie wird in den ersten Lebensjahren gelegt. Deutschland braucht eine Offensive für den Ausbau der frühkindlichen Bildung.

Auf diesem Weg sind folgende Schritte notwendig:

1. Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen

Alle Kinder sollen vor der Einschulung einen Kindergarten besuchen. Deshalb brauchen wir flächendeckend ein bedarfsgerechtes Angebot von Ganztagsbetreuung. Insbesondere für Kinder unter drei Jahren besteht in vielen Ländern noch großer Nachholbedarf.

2. Kindertagesstätten sollen beitragsfrei werden

Der Besuch einer Kindertagesstätte darf nicht an den Beiträgen scheitern. Deshalb wollen wir, dass der Besuch einer Kindertagesstätte schrittweise beitragsfrei wird. Ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr. In einigen sozialdemokratisch regierten Bundesländern ist diese Forderung bereits Realität. So ist in Rheinland-Pfalz der Besuch des letzten Kindergartenjahres beitragsfrei. Bis 2010 wird hier die Beitragsfreiheit für Kinder ab 2 Jahren eingeführt. Auch in Berlin wird ab 2007 das letzte Kita-Jahr beitragsfrei sein.

3. Mit intensiver Sprachförderung früh ansetzen

Die deutsche Sprache ist unverzichtbares Rüstzeug für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn. Viele Kinder weisen jedoch zum Zeitpunkt der Einschulung Defizite in der Sprachentwicklung auf. Deshalb muss die Sprachkompetenz der Kinder bereits in den Kindertagesstätten gefördert werden. Möglichst früh vor der Einschulung muss der Sprachstand der Kinder überprüft werden, um dann mögliche Defizite durch entsprechende Fördermaßnahmen ausgleichen zu können. Auch hier gehen sozialdemokratische Bundesländer bereits mit gutem Beispiel voran und führen vor der Einschulung Sprachstandstests und verbindliche Sprachkurse durch.

4. Bildungspläne für Kindertagesstätten

Der Bildungsauftrag der Kindertagesstätten muss gestärkt werden, ohne dabei die Trias Bildung, Erziehung und Betreuung preiszugeben. Bildungspläne mit klar definierten Bildungszielen für Kindertagesstätten sind eine unverzichtbare Voraussetzung für die Entwicklung eines verlässlichen Systems der Qualitätsentwicklung.

5. Kinder individuell fördern

Um jedes Kind optimal zu fördern und den unterschiedlichen Entwicklungsverläufen der Kinder in den Kindertagesstätten gerecht werden zu können, sind individuelle Dokumentationen über den Entwicklungsstand ein gutes Instrument. Sie sind gute Grundlagen für das regelmäßige Gespräch auch mit den Eltern.

6. Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen

Damit der Übergang von der Kita in die Grundschule für alle Kinder gelingen kann, müssen Kindertagesstätten und Grundschulen eng zusammenarbeiten. Gemeinsam können sie auf eine Kontinuität der Bildungs- und Lernprozesse hinwirken.

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