Machnig: Moderne Willkommenskultur stärkt Internationalisierung Thüringens

Eine international besetzte Gruppe von Studierenden der Willy Brandt School an der Universität Erfurt hat im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums die Situation ausländischer Fachkräfte in Thüringen und die Hürden für Integration analysiert. Ergebnis: Die Willkommenskultur in Thüringer Behörden, Institutionen und Unternehmen ist schwach ausgeprägt. Hauptprobleme sind Sprachbarrieren, Angst vor rassistisch motivierten Überfällen bei den Migranten und fehlende Maßnahmen für eine aktive Integration, so die elf Studierenden aus zehn Nationen. Deshalb haben sie einen 10-Punkte-Katalog entwickelt, in dem sie geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Integration von Zuwanderern und ausländischen Fachkräfte vorschlagen. Im Zentrum steht die Einrichtung eines „Welcome Center Thüringen“, das eine zentrale Anlaufstelle für ausländische Fachkräfte sein soll.

Diese Idee wolle man aufgreifen und umsetzen, kündigte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig an. Die Vorarbeiten hätten bereits begonnen. „Wenn Thüringen internationaler werden und qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen will, dann müssen Zuwanderer hier auf eine moderne Willkommenskultur stoßen“, sagte Machnig. „Ein weltoffenes und internationales Klima ist ein Standortfaktor.“ Zu einem erfolgreichen Auftritt auf dem internationalen Parkett gehöre auch die Internationalisierung innerhalb der eigenen Landesgrenzen, so der Minister weiter. Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels sei die Zuwanderung von Studierenden und qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland eine große Chance. Bei einem Anteil von knapp 2,3 Prozent ausländischen Mitbürgern in Thüringen liege darin noch ein großes Potenzial. Der Freistaat rangiert mit dieser Quote im Bundesländervergleich an vorletzter Stelle (vor Sachsen-Anhalt: 1,9 Prozent; hinter Mecklenburg-Vorpommern: 2,5 Prozent). Er begrüßte deshalb ausdrücklich Initiativen der Thüringer Industrie- und Handelskammern, die damit begonnen haben, lehrstellen- oder jobsuchende Jugendliche aus Tschechien, Ungarn und Spanien als Auszubildende an Thüringer Unternehmen zu vermitteln. In ihrer heute vorgestellten Situationsanalyse verweisen die Erfurter Studierenden außerdem auf einen gravierenden Informationsmangel: Thüringen sei international zu wenig sichtbar, die starken Seiten des Landes im Ausland zu wenig bekannt. Auch fehle es an Maßnahmen, die Zuwanderern die Integration erleichtern. So gebe es zu wenige Angestellte mit Migrationshintergrund in den Behörden. Auch mangle es an Fremdsprachenkenntnissen bei den deutschen Mitarbeitern, es fehle an passenden Sprachkursen für Zuwanderer und an internationalen Kooperationen zwischen Unternehmen und Universitäten, so die Studentinnen und Studenten. „Weltoffenheit kommt nicht von alleine: Wir brauchen in Thüringen konkrete Angebote und Maßnahmen, um Zuwanderer zu integrieren“, sagte der Minister. Der 10-Punkte-Katalog der Studierenden schlägt daher folgende Maßnahmen vor:
  • „Thuringia Welcome Center“ als zentrale Anlaufstelle für ausländische Fachkräfte.
  • „Welcome-to-Thuringia“-Medien mit Web-Portal und Handbüchern.
  • Förderung von Sprachkompetenzen, z.B. berufsspezifische Kurse für Fachkräfte.
  • Mentoring-Programme mit „Welcoming Agents“ und mehrsprachigen Hotlines.
  • Sicherheit verbessern: konsequente Bekämpfung von Diskriminierung, Förderung interkultureller Kompetenz in der öffentlichen Verwaltung.
  • Interkulturelle Events, z.B. eine Aktionswoche „Thuringia goes international“.
  • Internationale Kooperationen (Unternehmen/Hochschulen/Insti¬tutionen) stärken.
  • Anerkennung von Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden.
  • Integration von Migrantenfamilien.
  • Internationalisierung des Bildungssektors.
Man werde diese Ideen und Anregungen aufnehmen und in konkrete Initiativen einfließen lassen, kündigte Wirtschaftsminister Machnig heute an. Das Thüringer Wirtschaftsministerium hat deshalb im Januar eine „Thüringer Initiative Willkommenskultur“ gegründet, an der unter anderem die Industrie- und Handelskammern und die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) beteiligt sind. Erste Aufgabe der Initiative ist die Gründung eines „Welcome Center Thüringen“, das bei der LEG angesiedelt sein wird.

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