Münzschatz in Gotha ist wieder komplett

Matschie: „Ein Baustein für das Barocke Universum von unschätzbarem Wert“

Der Münzschatz Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg ist wieder auf Schloss Friedenstein vereinigt. Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie, wird den bis jetzt fehlenden letzten Teilbestand zusammen mit Vertretern der Kulturstiftung der Länder am kommenden Dienstag in Gotha übergeben.

„Mit dem nunmehr kompletten Münzschatz fügen wir dem Barocken Universum Gotha einen Baustein von unschätzbarem Wert hinzu. Er wird von Gotha aus weithin nach Thüringen und ganz Deutschland strahlen“, so Matschie.

Das fürstliche Münzkabinett befand sich seit dem 17. Jahrhundert auf Schloss Friedenstein in Gotha. Herzog Friedrich II. (1691–1732) von Sachsen-Gotha-Altenburg krönte sein „Barockes Universum“ im Jahre 1712 mit einer einzigartigen Erwerbung. Er kaufte zu vorhandenen Beständen die damals europaweit wegen ihrer Raritäten in Gold und Silber gerühmte Münzsammlung des Schwarzburg-Arnstädter Fürsten Anton Günther II. (1666–1716). Der bekannte Reiseschriftsteller des 18. Jahrhunderts Johann Georg Keyssler rühmte im Jahre 1741 das Gothaer Kabinett als eines „der vornehmsten in der Welt“. Doch mit dem 2. Weltkrieg schien der Glanz des Münzkabinetts zu erlöschen, denn nach dem 8. Mai 1945 begann eine Odyssee der Schätze in verschiedene Richtungen: Rund 100.000 Münzen und Medaillen – der zahlenmäßig größte Teil des Münzkabinetts – wurden von der Roten Armee beschlagnahmt und als kulturelle „Reparationsleistung“ in die Sowjetunion verbracht, dort verblieben sie bis zur Rückgabe Ende der 1950er Jahre. Aber es hatte noch eine weitere Aufsplitterung stattgefunden: Ein kleinerer, ca. 16.000 Münzen und Medaillen umfassender Bestand mit den größten numismatischen Raritäten und künstlerischen Kostbarkeiten in Gold, Silber und Bronze von der Antike bis zum 20. Jahrhundert war mit Unterstützung der amerikanischen Armee, die bis Mitte Juli 1945 Thüringen besetzt hielt, von der Herzog von Sachsen Coburg und Gotha’schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft nach Coburg verbracht worden. Seine Rückerwerbung bildet nun einen krönenden Höhepunkt für Gotha.

Während der mehrere Jahre andauernden Verhandlungen mit der Herzog von Sachsen Coburg und Gotha’schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft, die die Kulturstiftung der Länder im Auftrag des Freistaats Thüringen führte, wurde klar: Die in mehr als 250 Jahren entstandene, mit Gotha eng verknüpfte Sammlung durfte nicht zerschlagen werden und sollte auch nach dem Willen des Herzoglichen Hauses als Ganzes nach Schloss Friedenstein zurückkehren. Die Herzog von Sachsen Coburg und Gotha’sche Stiftung für Kunst und Wissenschaft ermöglichte dies durch ihr großzügiges Entgegenkommen. Der Ankauf der wertvollen Münzen durch die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha gelang jetzt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Freistaats Thüringen, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dank der Spenden zweier Mäzene – der Münzliebhaber Fritz Rudolf Künker und Friedrich Popken. Die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglichte eine langfristige Vorfinanzierung des Ankaufs.

Der gesamte Münzschatz ist inzwischen heimgekehrt nach Gotha, wird dort bearbeitet und für die Präsentation vorbereitet. Die Rückkehr des Schatzes soll 2012 in der Ausstellung „Gothas Gold – Thüringens Glanz“ gefeiert werden, die das Münzkabinett und seine Geschichte vorstellt.

Hinweis an die Redaktionen
Der Presse- und Fototermin findet am Dienstag, 08. November 2011, 10:30 Uhr in Gotha auf Schloss Friedenstein statt (Eingang Universitäts- und Forschungsbibliothek). Sie haben dort Gelegenheit für Bild- und Filmaufnahmen der Münzen. Minister Christoph Matschie sowie der Vertreter der Kulturstiftung der Länder stehen Ihnen für Fragen und Statements zur Verfügung.

Quelle: Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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