Zwei Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und 58.000 Beschäftigte

Rund zwei Milliarden Euro erwirtschaftet die Sozialwirtschaftsbranche pro Jahr in Thüringen – 4,7 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im Freistaat. Das geht aus dem nun vorgelegten „Sozialwirtschaftsbericht Thüringen“ hervor, der im Auftrag des Thüringer Wirtschafts- und des Thüringer Sozialministeriums von der Friedrich-Schiller-Universität Jena erstellt worden ist.

„Die Sozialwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag für ein menschliches und soziales Miteinander in Thüringen“, sagte die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende und Sozialministerin Heike Taubert bei der Vorstellung der Studie in Erfurt. Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Staschewski verwies vor allem auf den unterschätzten ökonomischen Beitrag der Branche sowie auf die erheblichen positiven Beschäftigungseffekte. „Die Sozialwirtschaft ist ein echter Wirtschaftsfaktor und mit 58.000 Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber in Thüringen.“

Zu den sozialen Dienstleistungen, die von der Studie erfasst werden, gehören unter anderem die Altenpflege, die frühkindliche Förderung, die Kinder- und Jugendhilfe, die Hilfen für Menschen mit Behinderungen und die Beratung von Menschen in Notlagen. „In der Sozialwirtschaft werden arbeitsintensive, personennahe Dienstleistungen erbracht, bei denen die menschliche Arbeitskraft die zentrale Rolle spielt, die deshalb nicht ohne Weiteres ersetzt werden kann“, sagte Taubert. Die rund 4.800 sozialen Einrichtungen seien deshalb wichtige Arbeitgeber gerade auch in ländlichen und strukturschwachen Regionen Thüringens.

Von den rund 58.000 Erwerbstätigen im Bereich der sozialen Dienstleistungen sind 46.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 6,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen. Entscheidend ist dabei aus Sicht von Staatssekretär Staschewski: „Die Sozialwirtschaft ist ein weitgehend konjunkturunabhängiger Wirtschaftsbereich, der selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 noch gewachsen ist.“ Da aufgrund der demografischen Entwicklung die Nachfrage nach Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen weiter steige, seien die Erwartungen der befragten Geschäftsführer hinsichtlich eines weiteren Beschäftigungsaufwuchses in dieser Branche äußerst plausibel.

Hier liegt aus Sicht von Sozialministerin Taubert aber auch eines der größten Entwicklungshemmnisse für die Branche: „Das Angebot an qualifizierten Fachkräften ist rückläufig“, so die Ministerin. So konnte fast die Hälfte der befragten Einrichtungen (44 Prozent) in den vergangenen zwei Jahren offene Stellen über einen längeren Zeitraum nicht besetzen. In mehr als jeder dritten Einrichtung gibt es derzeit einen Fachkräftebedarf, der nicht gedeckt werden kann. „Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss vor allem die Ausbildung und Qualifizierung intensiviert und attraktiver werden“, sagte Taubert. Vor allem der Bundesgesetzgeber sei jetzt gefragt, die Finanzierung des dritten Ausbildungsjahrs von Umschülern zu ermöglichen, die Ausbildung in Pflegeberufen zu modernisieren und zu vereinheitlichen sowie zugleich die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse in diesem Bereich zu erleichtern. Taubert hält es zudem für erforderlich, die in der dualen Ausbildung bewährten Unterstützungssysteme wie zum Beispiel ausbildungsbegleitende Hilfen auch in den sozialen Dienstleistungsberufen anzuwenden und die Berufsorientierung verstärkt zur Werbung für die gesamte Branche zu nutzen.

Weitere Informationen im Internet unter:
http://www.thueringen.de/de/tmsfg/aktuell/59952/content.html

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